#1 RE: Das stille Quartett von Nannophilius 09.02.2003 05:41

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Das stille Quartett

An einer verkehrsreichen, belebten Wegkreuzung steht ein Pritschenwagen.
Im beengten Laderaum befindet sich ein schlichter Backofen aus Gusseisen.
Ein Bäcker und sein Gehilfe hantieren mit dem vorsintflutlichen Apparat.
Sein Weib trennt etwas vom Teig ab, knetet und walzt ihn zu einem Kreis.
Ihr Ehemann legt ihn in die vorgewärmte Gussform, lässt den Deckel fallen.
Der Reihe nach wendet er um die anderen elf Backformen von Zeit zu Zeit,
Jongliert ohne Verschnaufpause, voller Konzentration mit zwölf Kreisen,
Zaubert alle fünf Minuten hervor aus einem Eisenklumpen ein Fladenmanna.

Zwischen drei beschäftigen Personen hockt still ein unauffälliges Mädchen,
Aber bewegt sich, lächelt, spricht, quenglt nicht, knabbert an einem Brot.
Sie könnte ebenso gut eine perfekte, lebendige Puppe in Menschengrö©¬e sein,
Denn ihr fehlen bei den Kindern übliche Neugierde und rege Gemütsregungen.
Ebenfalls fällt einem auf, dass die Erwachsenen die ganze Zeit nicht sprechen,
Sich dann und wann bei Bedarf in einer raschen Zeichensprache verständigen.
Das Mädel gehört zu diesem taubstummen Ehepaar, muss sich an diese anpassen,
Da ihre Laute, zärtlichen Gefühle nicht erwidert werden zur Genüge, pompt

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